Ankor what…?
11.August 2008
Zum Abschluss meines eher kurzen Kambodscha-aufenthalts stand der Hoehepunkt jeder Suedostasien-Reise auf dem Programm: Ankor Wat. Wie es so haeufig der Fall ist wenn etwas im voraus mit Superlativen eingedeckt wird, tue ich mich schwer in die allgemeinen Hurra-Rufe einzustimmen. Der erste Eindruck litt entschieden unter der hundertfache Abbildung auf jedem Chaesblatt. Um einen persoenlichen Zugang zur Schoenheit und Genialitaet der Archithektur zu finden, der nicht durch die omnipreasenten Kopien verwaessert wird, braucht es Zeit, Musse und Auseinanderseztung mit dem Gegenstand. Leider wird einem dies durch die Art und Weise wie die Tempel vermarktet werden ganz entschieden erschwert. Allerdings kann man sich schwer ueber die Tatsache beschweren, dass man nicht der einzige ist der gerne einen Blick auf dieses Wunder einer antiken asiatischen Zivilisation werfen moechte. (Erbaung der meisten Tempel zwischen 900-1100 n.Chr.) Da es aber bis zum Juli bereits 2 mio Besucher waren im 2008, heisst das konkret, dass es im Schnitt pro Tag ueber 10′000 Hobbyarchaelogen wie mich zu den Tempeln treibt. Eigentlich geabe es rings um Ankor genuegend Tempel, um diesen Ansturm etwas abzudaempfen. Denn Ankor ist nur einer von ca 20 grossen Tempelbezirken und 100-ten einzelner Ruinen, die um Siem Reap liegen. Aber die Menge der Sehenswuerdigekeiten bewirkt eher das Gegenteil. Der Einfachheit halber, haben sich die Transportunternehmer (Tuktuk, Minibus, Motofahrer) auf 2 Touren geeinigt, eine kleine und eine grosse Tour. Das heisst die Mehrheit der Besucher macht sich irgendwann am Morgen zwischen 8-10 Uhr im Uhrzeigersinn auf die Socken von einem Tempel zum naechsten. Im Standard-Fall ist man somit die ganze Zeit mitten in der Herde…
Auch wenn man aus dem Muster ausbrechen will, verzagt man an der schieren Menge der Sehenswuerdigkeiten. Bis wir es nach Ankor geschafft hatten, war die Feahigkeit etwas aufzunehmen schon so eingeschreankt, dass ich mich fast ueberreden musst ein bisschen begeisterung zu zeigen. Gottseidank haben wir am 3.Tag, der eigentlich ein lockerer Erholungstag werden sollte, nochmals die Chance genutzt und im spaeten Nachmittagslicht einen Blick auf die Tempel zu werfen.
Unter „wir“ figuriere noch drei sympathische Menschen aus England die ich im Bus von Phnom Penh nach Siem Reap kennengelernt habe. Sarah und Vicky sind Schwestern, die zusammen mit dem Studienfreund (Jay) von Sarah unterwegs sind. Nicht nur mein Englischakzent hat sich gefreut. Nach den Regentagen in Sihanoukville, wo ich mich unter lauter Paeaerchen etwas fehl am Platz fuehlte, war ich gluecklich auf liebenswuerdige und intelligente Menschen zu treffen, die mir sofort anboten die Tempel in Ankor zusammen in Angriff zu nehmen.
Leider erlauben die Internet-cafes in Kambodscha kein Anschluss von USB Geraeten, was heisst: Sorry no pictures.
Meine Plaene sehen fuer die letzte Woche nochmals ein bisschen activity vor. Auf Ko Tao (neben Ko Samui und Ko Pha ngan im Golf von Thailand) werde ich voraussichtlich in 4 Tagen den Pady open-water Tauchkurs machen. Angeblich der billigste Ort auf der Welt fuer sowas (ca 300.- SFr). In einem weiteren Tag kriegt man das Zertifikat fuer 30m. Mal schauen wer das Zertifikat akzeptieren wird.
Sihanoukville bei Regen
7.August 2008
Seit 2 Naechten bin ich mittlerweile in Sihanoukville, das ich mir als vertraumtes Strand-Paradies in Suedkambodscha vorgestellt hatte. Dass die Realitaet einen doch ziemlich anderen Eindruck macht hat nicht nur mit dem schlechten Wetter zu tun. Seit mehr als einer Woche ist hier offenbar Regen angesagt, wobei am Nachmittag jeweils eine kurze Verschnaufpause eingeschoben wird. Das ist schade denn eigentlich haette der Ort alles zum perfekten Strand-Urlaub: verschiedene wunderbare Sandstrande, gesaumt von Kokospalmen, umspuehlt von warmem Golf von Thailand (ca 25C) und angeblich herrrliche Korallenriffe zum schnorcheln und tauchen. Dass es nicht mehr ganz so paradiesisch zu und her geht, verraten die zahlreichen Bars und Hotels am Westende “meines“ Strandes. Zur Zeit fuehlt es sich ein bisschen an wie Rimini im Oktober. Das hat vor allem damit zu tun, dass sich die Feriengaeste zur Zeit genau dort aufhalten und eben nicht hier. Erst wenn es in Europa kalt und dunkel wird, startet hier die Hochsaison (November-Maerz).
In Sihanoukville gibt es etwa 5 Straende. Davon sind der Oeffentlichenkeit noch 3 zugaenglich. Der huebscheste, Soka Beach, ist vom Ort aus hinter 3 Kurven versteckt (30min Fussmarsch), wird aber von einem russischen Resort beherrscht. Kambodschanern ist der Zutritt verwehrt (sic!). Nur als Muellsammler und Barmaedchen ist ihre Anwesenheit den westlichen Gaesten zuzumuten. Urlauber die nicht im Resort logieren duerfen zwar konsumieren (und zahlen) muessen die etwas muehselige Anreise aber selbst auf sich nehmen.
Ein weiterer Strand wird als „…cleared for industrial development“ beschrieben. Das toent fuer mich irgendwie nach Soka-Beach Nr2. Dass es in Kambodscha irgendiwe an so was wie gesundem Menschenverstand mangelt kann man nicht allein den Kambodschanern vorwerfen. Die Schreckensherrschaft der Khmer rouge, die unter Pol Pot geschaetzte 1.5 mio Menschen exekutierten liegt zwar schon 30 Jahre zureuck. Was es fuer ein Land bedeutet, wenn waehrend 3 Jahren jeder der nur den Eindruck eines Intellektuellen macht, mit Deportation und Hinrichtung rechnen muss, (eine Brille zu tragen galt als ausreichend) kann man nur erahnen. Dass der Aufstieg von Pol Pot vor allem als Reaktion auf eine voellig unfeahige und grausame Militaer-junta folgte, die aber von den Amerikaner erwuenscht (und auch installiert) war (es war die Zeit des Vietnam-Konflikts), zieht einmal mehr eine Blutspur in den Westen.
Seither hat es fuer Kambodscha nie mehr so etwas wie einen Normalzustand gegeben, der es dem Land ermoeglicht haette eine starke Mittelschicht und eine demokratische Regierung hervorzubringen. Dass das Land heute von Korruption durchwuchert ist und die Infrastruktur (Elektrifizierung, Strassenbau, Schulsystem, Spitealer) nur dank Auslandhilfe und NGO’s halbwegs funktioniert kann man also durchaus als Erbe des Vietnam-Krieges sehen. Heute weiss ich, dass das Beispiel Kambodschas kein „Versehen“ in der Weltgeschichte ist. Klar ist einiges „aus dem Ruder gelaufen“, aber wer das Ruder so lose fuehrt, darf sich nicht wundern. Ich habe in Phnom Penh ein Buch mit dem Titel „Confessions of an economic Hit men“ gefunden. Es beschreibt die Geschichte eines Chef-Oekonomen bei einer amerikanischen Beratungsfirma, deren Aufgabe man euphemistisch als Modernisierung der 3. Welt umschreiben koennte. Dass die dazu notwendige Infrastruktur von Amerikanern erbaut wurde, hielt die Weltbank und den IWF nicht davon ab fuer die Leistungen Zins von den 3.Welt-Laendern einzufordern. Einmal verschuldet, ist das Land am Gaengelband der USA. Gegenleistungen fuer (partiellen) Schuldenerlass (die sich nach exponentiellem Wachstumsgesetz, ja ohnehin wieder vermehrten, Zinseszins) sind Rohstoffe aler Art (Hoz, Oel, Erze) und Voten in der UN-Vollversammlung…
Damit kann man die juegste Geschichte Kambodschas als Resultat eines schattenhaften Imperialismus sehen (was die Aurorenschaft betrifft, fuer die Folterofer in Slung Treng war der Schatten mehr als nur handfest), der Krisen in der lokalen Bevoelkerung vorsaetzlich provoziert. Besonders traurig ist die Tatsache, dass dieses System der Ausland-“hilfe“ eine lokale Herrscherschicht hervorbringt, die wie Landvoegte das eigene Land knechten, (um die Kreditvorderungen halbwegs zu erfuellen) und die wann immer ein Wilhelm Tell aufzutauchen drohte, mit dem Schutz amerikanischer Flugzeugtraeger rechnen konnten. Wie sollte ein LAnd unter diesem Einfluss je zu einer echten Demokratie werden?