Sweet Home Schaffhausen

27.August 2008

Seit vergangenem Sonntagabend bin ich wieder zurück in der Schweiz. Seit langem gibt es damit wieder mal ein *ü* im Blog. Allerdings haben sich meine Finger so daran gewoehnt, dass mir hin und wieder doch noch ein Umlaut hineinrutscht. Die Einträge hier wurden in letzter Zeit etwas rar, was nicht allein mit den hohen Internetkosten auf Ko Tao erklärt werden kann (120 Bath/h = 4SFr =1 grilled tuna). Vielmehr war die Option Internetcafe einfach nicht hinreichend kompetitiv im Hinblick auf ein Bier an am Strand mit coolen, jungen Menschen…

Ich werd bei Gelegenheit einmal ein paar Föteli nach-updaten, insbesondere zu Ko Tao und zu Ankor (Kambodscha gnerell faellt mir gleich auf). Ob dieser Blog dann aber zu mehr als einer Erinnerung taugt wird sich weisen. Vielen Dank auf jeden Fall fuer all die positiven Rueckmeldungen und Nachrichten, die ich auf meiner Reise erhalten durfte.

Lukas

Ankor what…?

11.August 2008

Zum Abschluss meines eher kurzen Kambodscha-aufenthalts stand der Hoehepunkt jeder Suedostasien-Reise auf dem Programm: Ankor Wat. Wie es so haeufig der Fall ist wenn etwas im voraus mit Superlativen eingedeckt wird, tue ich mich schwer in die allgemeinen Hurra-Rufe einzustimmen. Der erste Eindruck litt entschieden unter der hundertfache Abbildung auf jedem Chaesblatt. Um einen persoenlichen Zugang zur Schoenheit und Genialitaet der Archithektur zu finden, der nicht durch die omnipreasenten Kopien verwaessert wird, braucht es Zeit, Musse und Auseinanderseztung mit dem Gegenstand. Leider wird einem dies durch die Art und Weise wie die Tempel vermarktet werden ganz entschieden erschwert. Allerdings kann man sich schwer ueber die Tatsache beschweren, dass man nicht der einzige ist der gerne einen Blick auf dieses Wunder einer antiken asiatischen Zivilisation werfen moechte. (Erbaung der meisten Tempel zwischen 900-1100 n.Chr.) Da es aber bis zum Juli bereits 2 mio Besucher waren im 2008, heisst das konkret, dass es im Schnitt pro Tag ueber 10′000 Hobbyarchaelogen wie mich zu den Tempeln treibt. Eigentlich geabe es rings um Ankor genuegend Tempel, um diesen Ansturm etwas abzudaempfen. Denn Ankor ist nur einer von ca 20 grossen Tempelbezirken und 100-ten einzelner Ruinen, die um Siem Reap liegen. Aber die Menge der Sehenswuerdigekeiten bewirkt eher das Gegenteil. Der Einfachheit halber, haben sich die Transportunternehmer (Tuktuk, Minibus, Motofahrer) auf 2 Touren geeinigt, eine kleine und eine grosse Tour. Das heisst die Mehrheit der Besucher macht sich irgendwann am Morgen zwischen 8-10 Uhr im Uhrzeigersinn auf die Socken von einem Tempel zum naechsten. Im Standard-Fall ist man somit die ganze Zeit mitten in der Herde…

Auch wenn man aus dem Muster ausbrechen will, verzagt man an der schieren Menge der Sehenswuerdigkeiten. Bis wir es nach Ankor geschafft hatten, war die Feahigkeit etwas aufzunehmen schon so eingeschreankt, dass ich mich fast ueberreden musst ein bisschen begeisterung zu zeigen. Gottseidank haben wir am 3.Tag, der eigentlich ein lockerer Erholungstag werden sollte, nochmals die Chance genutzt und im spaeten Nachmittagslicht einen Blick auf die Tempel zu werfen.

Unter „wir“ figuriere noch drei sympathische Menschen aus England die ich im Bus von Phnom Penh nach Siem Reap kennengelernt habe. Sarah und Vicky sind Schwestern, die zusammen mit dem Studienfreund (Jay) von Sarah unterwegs sind. Nicht nur mein Englischakzent hat sich gefreut. Nach den Regentagen in Sihanoukville, wo ich mich unter lauter Paeaerchen etwas fehl am Platz fuehlte, war ich gluecklich auf liebenswuerdige und intelligente Menschen zu treffen, die mir sofort anboten die Tempel in Ankor zusammen in Angriff zu nehmen.

Leider erlauben die Internet-cafes in Kambodscha kein Anschluss von USB Geraeten, was heisst: Sorry no pictures.

Meine Plaene sehen fuer die letzte Woche nochmals ein bisschen activity vor. Auf Ko Tao (neben Ko Samui und Ko Pha ngan im Golf von Thailand) werde ich voraussichtlich in 4 Tagen den Pady open-water Tauchkurs machen. Angeblich der billigste Ort auf der Welt fuer sowas (ca 300.- SFr). In einem weiteren Tag kriegt man das Zertifikat fuer 30m. Mal schauen wer das Zertifikat akzeptieren wird.

Sihanoukville bei Regen

7.August 2008

Seit 2 Naechten bin ich mittlerweile in Sihanoukville, das ich mir als vertraumtes Strand-Paradies in Suedkambodscha vorgestellt hatte. Dass die Realitaet einen doch ziemlich anderen Eindruck macht hat nicht nur mit dem schlechten Wetter zu tun. Seit mehr als einer Woche ist hier offenbar Regen angesagt, wobei am Nachmittag jeweils eine kurze Verschnaufpause eingeschoben wird. Das ist schade denn eigentlich haette der Ort alles zum perfekten Strand-Urlaub: verschiedene wunderbare Sandstrande, gesaumt von Kokospalmen, umspuehlt von warmem Golf von Thailand (ca 25C) und angeblich herrrliche Korallenriffe zum schnorcheln und tauchen. Dass es nicht mehr ganz so paradiesisch zu und her geht, verraten die zahlreichen Bars und Hotels am Westende “meines“ Strandes. Zur Zeit fuehlt es sich ein bisschen an wie Rimini im Oktober. Das hat vor allem damit zu tun, dass sich die Feriengaeste zur Zeit genau dort aufhalten und eben nicht hier. Erst wenn es in Europa kalt und dunkel wird, startet hier die Hochsaison (November-Maerz).

In Sihanoukville gibt es etwa 5 Straende. Davon sind der Oeffentlichenkeit noch 3 zugaenglich. Der huebscheste, Soka Beach, ist vom Ort aus hinter 3 Kurven versteckt (30min Fussmarsch), wird aber von einem russischen Resort beherrscht. Kambodschanern ist der Zutritt verwehrt (sic!). Nur als Muellsammler und Barmaedchen ist ihre Anwesenheit den westlichen Gaesten zuzumuten. Urlauber die nicht im Resort logieren duerfen zwar konsumieren (und zahlen) muessen die etwas muehselige Anreise aber selbst auf sich nehmen.

Ein weiterer Strand wird als „…cleared for industrial development“ beschrieben. Das toent fuer mich irgendwie nach Soka-Beach Nr2. Dass es in Kambodscha irgendiwe an so was wie gesundem Menschenverstand mangelt kann man nicht allein den Kambodschanern vorwerfen. Die Schreckensherrschaft der Khmer rouge, die unter Pol Pot geschaetzte 1.5 mio Menschen exekutierten liegt zwar schon 30 Jahre zureuck. Was es fuer ein Land bedeutet, wenn waehrend 3 Jahren jeder der nur den Eindruck eines Intellektuellen macht, mit Deportation und Hinrichtung rechnen muss, (eine Brille zu tragen galt als ausreichend) kann man nur erahnen. Dass der Aufstieg von Pol Pot vor allem als Reaktion auf eine voellig unfeahige und grausame Militaer-junta folgte, die aber von den Amerikaner erwuenscht (und auch installiert) war (es war die Zeit des Vietnam-Konflikts), zieht einmal mehr eine Blutspur in den Westen.

Seither hat es fuer Kambodscha nie mehr so etwas wie einen Normalzustand gegeben, der es dem Land ermoeglicht haette eine starke Mittelschicht und eine demokratische Regierung hervorzubringen. Dass das Land heute von Korruption durchwuchert ist und die Infrastruktur (Elektrifizierung, Strassenbau, Schulsystem, Spitealer) nur dank Auslandhilfe und NGO’s halbwegs funktioniert kann man also durchaus als Erbe des Vietnam-Krieges sehen. Heute weiss ich, dass das Beispiel Kambodschas kein „Versehen“ in der Weltgeschichte ist. Klar ist einiges „aus dem Ruder gelaufen“, aber wer das Ruder so lose fuehrt, darf sich nicht wundern. Ich habe in Phnom Penh ein Buch mit dem Titel „Confessions of an economic Hit men“ gefunden. Es beschreibt die Geschichte eines Chef-Oekonomen bei einer amerikanischen Beratungsfirma, deren Aufgabe man euphemistisch als Modernisierung der 3. Welt umschreiben koennte. Dass die dazu notwendige Infrastruktur von Amerikanern erbaut wurde, hielt die Weltbank und den IWF nicht davon ab fuer die Leistungen Zins von den 3.Welt-Laendern einzufordern. Einmal verschuldet, ist das Land am Gaengelband der USA. Gegenleistungen fuer (partiellen) Schuldenerlass (die sich nach exponentiellem Wachstumsgesetz, ja ohnehin wieder vermehrten, Zinseszins) sind Rohstoffe aler Art (Hoz, Oel, Erze) und Voten in der UN-Vollversammlung…

Damit kann man die juegste Geschichte Kambodschas als Resultat eines schattenhaften Imperialismus sehen (was die Aurorenschaft betrifft, fuer die Folterofer in Slung Treng war der Schatten mehr als nur handfest), der Krisen in der lokalen Bevoelkerung vorsaetzlich provoziert. Besonders traurig ist die Tatsache, dass dieses System der Ausland-“hilfe“ eine lokale Herrscherschicht hervorbringt, die wie Landvoegte das eigene Land knechten, (um die Kreditvorderungen halbwegs zu erfuellen) und die wann immer ein Wilhelm Tell aufzutauchen drohte, mit dem Schutz amerikanischer Flugzeugtraeger rechnen konnten. Wie sollte ein LAnd unter diesem Einfluss je zu einer echten Demokratie werden?

Auf meiner Reise dem Mekong entlang, die ich nach der Abreise von Markus nun doch alleine in Angriff nehmen werde, hab ich mich sozusagen fuer eine Abkuerzung entschieden. Von Vientiane bin ich mit dem Nachtbus in 10 Stunden direkt nach Pakxe in Suedlaos gefahren. Fuer 25 US Dollar gab es nebst AC (in der Nacht eher laestig als notwendig) eine Matrazen-Pritsche von ca 120 cm Breite und 180 cm Laenge (Ja ich bin groesser,..). Ich hab sie mir mit einem ca 60 jaehrigen Laoten geteilt, sehr zur belustigung seiner Reisegruppe. Nach anfaenglichen cm-Rangeleien gings dann aber ganz gut. Dennoch, irgendetwas muss ich mir vorher oder waehrend der Fahrt aufgelesen haben. In Pakxe fuehlte ich mich trotz ca 5h Schlaf hundemuede und schlief von den naechsten 72 Stunden etwa waehrend 60…
Nebst dem Hotel hab ich vor allem das indische Restaurant der Stadt kennengelernt, sehr empfehlenswert (meiner Magenverstimmung zum trotz).

Als es mir wieder einigermassen gut ging, hatte ich dann so genug von Pakxe, dass ich das nahegelegene Touristenziel, 30 m Wasserfaelle auf dem Bolaven-Plateau in herllicher Landschaft, einfach uebersprang und direkt weiter Richtung kambodschanischer Grenze fuhr. Die Fahrt zu den (angeblich) 4000 Inseln in einer Aufweitung des Mekongs war recht amuesant. Da die Strassenqualitaet keine ordentlichen Busse zulaesst, verkehren umgebaute Pickups mit 2 langen Sitzbaenken an den Seiten und einer in der Mitte auf der 150 km Strecke. Sozusagen ein low-cost DURO (CH Militaer-Transporter), bei gleichem Packvolumen (wir waren zum Schluss tatsaechlich ca 18 Menschen, Huehner und Bienenstoecke waren diesmal keine dabei) kostet das Gefaehrt wahrscheinlich einen 50-stel und ist mindestens so gelaendetaugliche… Beim warten bis zur Abfahrt (45 min, Start alle Stunde) lernte ich Patrick aus Muenchen kennen. Wir hatten das selbe Ziel: Don Det eine der Inseln im Mekong, die fuer die entspannte Stimmung beruehmt ist (natuerlich auch im Lonely Planet empfohlen, was aber noch nichts zu heissen hat… ich bin ja eh ein Unterstuetzer der germanischen REiseliteratur: Reise Know How und Stefan Loose.)

Um zur Insel zu gelangen brauchten wir einen Faehrmann. Dieser trat in Form eines ausgewanderten Deutschen (Mike) auf die Buehne, der die 14-Stunden-Tage als Netzwerksuporter bei Ford Deutschland nicht als Endloesung seines Daseins akzeptieren wollte. Die neue Lebensform beinhaltete 5 Bungalows am Mekong und eine laotische Frau.

Zu dieser Zeit waren im „wir“ noch 2 franzoesisch sprechende Travelerinnen beinhaltet, die per Anhalter unterwegs aufstiegen. Wie sich dann herausstellte, verstand ich ihre Sprache vor allem darum so gut weil sie aus Lausanne und nicht Paris stammten. Damit schien mein Fluch keine Schweizer auf meiner Reise zu treffen wenigstens halbwegs gebrochen. Mein Gestaendnis ich sei Schweizer muenzten sie sogleich logisch korrekt um in: „mindestens 3 Jahre Schulfranzoesisch…“ ergo on parle francais. Ich sprach dann aber zu beginn nicht einmal fuer 6 Monate. Wenn man sich den Kopf mit englisch Vokabeln gefuellt hat ist eine nette franzoesische Frage so etwa das herausvordernste was einem passieren kann! Ich bilde mir zugegebenermassen etwas darauf ein, dass ich zum Schluss unserer 3 gemeinsamen Tage, fliessend zwischen englisch (mit einer Hollaenderin) deutsch (Patrick, Mike) und franzoesisch (Meryem und Raphaelle) hin und her wechselte und mich in allen 3 Sprachen zumindest verstaendlich machen konnte.

Zu Don Det muss man sagen, dass fuer einmal der Lonely Planet nicht zu viel versprochen hat. Palmen saemen die Insel, die im Innern herrlich gruene Reisfelder beeinhaltet. Die nahegelegenen Niagara-Faelle Asiens bildeten einen natuerlichen Wall fuer die Schifffahrt gen China. (Der Mekong entspringt in Tibet!) Auf einer Breite von mehreren Kilometern (immer wieder durch eine Insel unterbrochen) faellt das Wasser in der Regenzeit ca 3m in der Trockenzeit angeblich 14m. Das war fuer die kolonialen Plaene Frankreichs ein ziemlicher Daempfer. Von den Bemuehungen den Wasser-weg nach China zu etablieren (vom Meerhafen Saigon, aeh Ho-Chi-Minh-City in Suedvietnam) zeugt ein Eisenbahntrasse quer durch die Insel un eine Bruecke zur Nachbarinsel. Uebrigens die einzige Brueck dieser Art, die Laoten fahren Boot, heute etwas rassiger dank 9 PS Honda-Motoren, frueher etwas gemaechlicher mit Stachel und Ruder. Gemaechlichkeit ist ein zentraler Begriff auf den Inseln, wo Strom nur von 6-10pm aus dem Generator kommt. Auch wenn der Generator privat gekauft wird, genauso wie der Sprit, so ist es verboten nach 10 Uhr noch Licht zu machen. Es ist nicht ganz klar, was damit bezweckt werden soll, aber Mike hat uns versichert dass die Polizei nicht zoegert happige Bussen zu verteilen. Wie dunkel es sein kann wenn nirgends wo ein Licht brennt und der Himmel von Wolken bedeckt ist, haben wir festgestellt, als die Batterien starben weahrend unseres Heimweges vom Zentrum. Wer weiss wie lange wir nach unserem GH gesucht haetten, wenn nicht Mike mit einer starken Lampe auf uns gewartet haette…