Eis und Gletscherkurs
16.Juni 2008
Vergangene Woche habe ich das erste Mal in meiner noch jungen BergsteigerKarriere so richtig Eis unter die Bergschuhe bekommen. Mit 10 weiteren Studenten habe ich mir das Grundrüstzeug für alpine Hochtouren verpassen lassen. Während 2 Tagen sind wir kreuz und quer über den Rohnegletscher gekraxelt unter der Aufsicht von zwei professionellen Bergführern. Normalerweise ist das nur als Banker bezahlbar, zumindest wenn man sich die Tourenangebote beim SAC und den Adventure-Anbietern anschaut. Dank ASVZ ist dies aber auch als Student erschwinglich.
Ehrlicherweise ist der Kurs selbst dann weit weniger sensationell gewesen, als ich mir das vorgestellt hatte. Irgendwie kam mir alles so ein bisschen nach vorgeturntem Wikipedia-Wissen vor. Dann und wann gabs zwar einen Kommentar, im sinn von so könnte mans machen, aber anders wäre auch möglich. Es mag zwar sein, dass es nicht nur eine richtige Variante gibt, wie man sich beispielsweise in der Seilschaft anseilt. Aber als Anfänger wünscht man sich eine korrekte Lösung, und keine Auswahlsendung. Bei guten Verhältnissen (wenig geneigtes, grobkörniges Eis) ist das Gehen auf dem Gletscher wie bedächtiges spazieren am Zürisee. Gut, je steiler die Flanke, desto mehr Vertrauen muss man den Zacken am Steigeisen schenken, aber wer die Physik kennt, lässt sich auch nicht unvorhergesehen überraschen. Zu beginn fordert es ein wenig Konzentration, wie und wo man hintritt. Die grosse Gefahr auf dem Gletscher ist aber gar nicht sichtbar: Die Spalten. Auch wenn die Theorie behauptet Spalten treten nur bei Zug oder Scherspannung im Eis auf, so kann man nicht immer vorausahnen wie der Untergrund geformt ist. Sobald Schnee auf dem Eis liegt, schwebt das Damokles-Schwert über der Kappe (es ist auf dem Gletscher erstaunlich kalt) vom hungrigen Gletscher verschluckt zu werden. Dass man nicht recht weiss wo und wann der Appetit des Gletschers wieder einmal zuschlägt, führt dazu dass man sich anseilt. Das gibt einem die Gewissheit nicht allein auf den Schutzengel zu hoffen sondern auch auf den Hintermann, der einen dann halten soll.
Wir haben uns dann auch darin geübt Verankerungen zu erstellen: im Schnee einen T-Anker einbuddeln, im Eis eine Eisschraube eindrehen. Erstaunlich, im nassen Schnee reicht schon eine eingegrabene Petflasche, um 2 Personen zu halten. Aus meiner Zeit in der Jungschar kannte ich die Prusik-Technik schon, die es einem ermöglich am fixierten Seil hochzusteigen. Dazu befestigt man 2 unterschiedlich lange Schlingen am Seil mit dem Prusik-Knoten. Abwechselnd werden die Knoten hochgeschoben und das Körpergewicht verlagert. Etwas mühsam wird das Ganze wenn die Handschuhe pflotschnass sind und man einen einen Überhang überwinden soll. Hat man es dann geschafft, so ist dies genau der Moment wo der Bergführer sich entschliesst die Bedingungen zu verschärfen und das Seil oben kurzfristig löst („So jetzt hätte die erste Verankerung versagt, Gott sei dank sind wir redundant…“)



